Musik gegen Windmühlen - aus Chemnitz

Texte

Heimwärts (1997)

Ready for take off

 

Im Hangar, Liebste, steht noch eine Kiste.
Ich hab den Schlüssel. Weißt du, wie man fliegt?
Im Morgengrauen roll’n wir auf die Piste.
Wenn noch der Nebel auf den Feldern liegt.

Wenn an den Flüssen fremde Knechte fischen
nach unsern Brüdern, und die Glut noch glimmt
in ausgebrannten Häusern, und dazwischen
ein toter Teddy in der Gosse schwimmt.

Die Startbahn brennt.
Die Wache pennt.
Die Lotsen stehn im Stoff.
Die Towercrew
spielt blinde Kuh.
Ready for take off!

Die Friedensandacht trieft aus den Kanälen
und ein Zerstörer saugt die Mannschaft ein.
Eh sie auch uns in ihren Krieg befehlen,
Liebste, da müssen wir verschwunden sein.

Solang der Reif noch glänzt in deinen Haaren,
mein Kuß das Zittern deiner Lippen bannt,
ein halbes Hundert uns noch bleibt an Jahren,
kann ich noch weg mit dir aus diesem Land.

Die Startbahn brennt…

Sei froh, wenn wir nicht haßzerfressen fliehen,
wenn noch was bleibt, wonach du Sehnsucht hast,
die letzte Hoffnung noch nicht ausgespien,
die Seele noch nicht erstickt im Luxusknast.

Der letzte Check, den Knüppel an die Rippen,
bis sich die Mühle an die Wolken schmiegt
und dann noch eine große Kurve kippen,
daß uns das Land noch mal zu Füßen liegt…

Die Startbahn brennt…

 

Text: Henry-Martin Klemt

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